Informatik 2013: Workshop Langzeitarchivierung

Friday, September 20th, 2013 | Author:

Ko-lokiert mit der einwöchigen Informatik 2013 Konferenz fand an der Universität Koblenz der Workshop Langzeitarchivierung, organisiert durch nestor, statt. Den Auftakt der Vortragsreihe bildete das Literaturarchiv Marbach, welches die Herausforderungen der Archivierung von digitalen Nachlässen von Autoren referierte. So erhält das Archiv durchaus komplette Originalsysteme von Schriftstellern, z.B. einen Atari MegaST von Erwin Strittmatter (der selbst zwar funktionsfähig war, aber mit defekter Festplatte geliefert wurde, zumindest gab es ein Backup auf Disketten). Das Archiv erstellt Images von allen erhaltenen Datenträgern, wie Disketten, optischen Medien, Festplatten oder auch ungewöhnlichen Medien (was den Kontext der Dateien zueinander erhält). Einen erheblichen Nachlass  war das 2011 eingelieferte Kittler-Archiv, das aus mehreren Rechnern besteht. Die besondere Herausforderung liegt in der Existenz vieler durch den Nachlasser selbsterstellter Programme, verteilt über den gesamten Datenträger wegen recht unkonventioneller Arbeitsweise. Vorgestellt wurde ein eigens entwickelter Indexer für die schrittweise Analyse der enthaltenen Dateien in einer Erkennungskaskade mit Verfeinerungen. Den mengenmäßig größten Teil machenten Videos wie Vorlesungsmitschnitte aus, die größeren Herausforderungen liegen jedoch bei erstellten Programmdateien (C-Dateien) oder angepassten Systemtreibern. Offene Punkte liegen noch in abgestuften Zugriffsleveln und der Umgang mit Privacy. Hier können FLA-forensische Pakete wie die Bitcurator Tools helfen.

43. Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik in Koblenz

43. Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik in Koblenz

Ein weiterer Vortrag kam vom gesis, das mit datorium einen Service für die Archivierung und den Zugang zu sozialwissenschaftlichen Forschungsdaten erlauben soll. Es nutzt DSpace als Backend, da dieses gute Workflow-Unterstützung bietet und flexible Metadatenschema erlaubt. Das gesis ist Mitglied im da|ra, welches Identifier für DataCite bereitstellt. Angestrebt wird möglichst ein Zugriff der Open Data folgt, jedoch sind Regeln für die Datennutzung notwendig.

Eine weitere Präsentation beschäftigte sich mit der Langzeitarchivierung von audiovisuelle
n Sammlungen. Diese sind häufig durch sehr heterogene Medien (in erster Linie Video und entsprechende Datenträger) gekennzeichnet. Einige Objekte können jedoch auch komplette Computersysteme umfassen. Ein Ansatz die spätere Archivierung zu erleichtern ist es, mit den Künstlern Absprachen auf geeignete Formate und Medien zu treffen und die möglichen Maßnahmen der kuratorischen Bewahrung der Objekte zu diskutieren.

Vortrag zu datorium, einem neuen Service des GESIS

Vortrag zu datorium, einem neuen Service des GESIS

Im Nachmittagsteil wurde mit DA-NRW “Eine verteilte Architektur für die digitale Langzeitarchivierung” präsentiert, die sich in erster Linie um die OAIS-konforme Bitstream-Preservation von Objekten kümmern kann. Das System nutzt für die verteilte Speicherung iRods. Das Thema Webarchivierung wurde durch einen Vortrag von BlogForever vertreten. Die Idee besteht darin die Ergebnisse durch Spezialisierung z.B. auf Blogs, zu verbessern. Im Rahmen des im August 2013 abgeschlossenen EU-Projekts wurde ein System zum Abgreifen und Zurückspielen von Blog-Inhalten entwickelt. Im Vortrag des Bundesarchives wurde ein aktueller Überblick über die Problemstellungen des digitalen Archivs gegeben, in dem Datenbanken eine wesentliche Rolle spielen. Den Abschluss bildete eine Präsentation zur “Vertrauenswürdigen und beweiswerterhaltenden elektronischen Langzeitspeicherung”.

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