Emulationsworkshop auf der iPRES

Monday, October 01st, 2012 | Author:

Zum Auftakt der iPRES 2012 in Toronto fand der erste Tages-Workshop zu Emulation auf dieser Konferenz statt. Die Teilnehmerzahl übertraf mit knapp 50 Interessierten bei weitem die Erwartungen der Organisatoren. Der jeweilige Hintergrund der Teilnehmer war vielfältig aus dem Bereich Gedächtnisorganisationen, Forschung und Consulting im Bereich Digital Preservation, Data Curation und Scientific Data.Nach einem einführenden, kurzen Abriss zur Entwicklung der DP und speziell Emulationsstrategien durch Titia van der Werf (OCLC), stellten die Anwender aus den Gedächtnisorganisationen ihre Aktivitäten und Herausforderungen vor.

Keynote

Workshop Keynote "Beyond the controversy: a quick overview of emulation as an approach to digital preservation."

Hierzu zählen insbesondere Nichtstandard Digitale Objekte, die in zunehmender Zahl insbesondere in den Legal Deposit Libraries eingeliefert werden. Hinzu kommt die Aufgabe des Web-Archivings, wodurch weitere Objekttypen hinzukommen. Ein weiterer Bereich sind die neuen Mobilplattformen mit neuen Softwareökosystemen und einer relativ kurzen Halbwertzeit. Ein zunehmend relevantes Feld sind wissenschaftliche Daten der verschiedensten Form, die über längere Zeit überprüfbar sein müssen und für die Nachnutzung bereitgehalten werden sollen. In der kulturellen Überlieferung spielen zudem Digital Art und Computerspiele in den verschiedensten Formen eine zunehmende Rolle. Vielfach gibt es zwar den Auftrag Material verfügbar zu halten, aber oft noch keine festgelegten Strategien. Bezogen auf Emulation reicht das Spektrum von einem möglichen Einsatz, der in Betracht gezogen wird, bis hin zu fest eingeplanter und umzusetzender Strategie.

Daran schlossen sich die Kurzpräsentationen aus aktuellen Forschungsprojekten an. In diese Kategorie fielen Projekte zu speziellen Emulatorerweiterungen, Workflows für die Einrichtung von Originalumgebungen, diverse Zugriffs-Workflows und Fragen zur Bewertung von Rendering Results. Ein wichtiger Bestandteil waren darüberhinaus technische Metadaten, die beispielsweise für die Zusammenstellung und Beschreibung von Originalumgebungen notwendig sind.

Ergebnispräsentation der "Digital Art / Computer Games" Arbeitsgruppe

Ergebnispräsentation der "Digital Art / Computer Games" Arbeitsgruppe

Anschließend teilte sich die Gruppe nach einer ersten übergreifenden Diskussion in die Gruppen “Digital Art / Computer Games”, “Metadata / Context”, “Webarchiving / Big Data” und “Sustainable Emulation / Community Involvement” auf. Nach der Pause schloss sich der erste Teil der Break Out Sessions an, in denen in Kleingruppen die Herausforderungen, existierende Lösungen und Tools und allgemeine Erfahrungen verhandelt wurden.

Ein zentraler Punkt der Arbeitsgruppe “Sustainable Emulation” befasste sich mit der Frage des Zusammenbringens der Digital Preservation und diversen Emulatoren-Communities. Für viele alte Computerplattformen existieren große Freiwilligengruppen, die viel Dokumentation, Fanseiten, Software und Anleitungen zusammengetragen haben. Diese Angebote übertreffen an Qualität häufig das, was durch Institutionen mit breiter gefächerten Aufgabenstellungen geleistet werden kann.

Die Bedeutung und damit die Herausforderungen des Webarchivings nehmen zu, da immer mehr Institutionen Material von immer längeren Zeiträumen aufbewahren und den Zugriff auf dieses Material ermöglichen sollen. Auch hier bietet sich Emulation in Form von Snapshots typischer Originalumgebungen für den (authentischen) Webzugriff mit Unterstützung der jeweils relevanten Formate an.

Eine noch offene Herausforderung besteht in der Bewahrung von Online-Welten, Online-Spielen und durch permanente Veränderungen geprägte Objekte. Selbst wenn beispielsweise Spieleserver von Massive Multiplayer Online Games und dazugehörige Clients gesichert werden, fehlt mit den eingeloggten Spielern, ihren Kommentaren und Interaktionen wesentliche Bestandteile des Gesamteindrucks. Hier könnten Walk-Throughs, Video-Aufnahmen und anderweitige Beschreibungen helfen, zumindest gewisse Eindrücke einzufangen.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete das Wrap-Up von B. van der Werf von der OPF, der unter anderem auf das Problem hinwies, Ergebnisse aus geförderten Projekten geeignet in die Anwenderpraxis zu überführen. Hier ist die vielfach genutzte Open Source Strategie ein Ansatz jedoch nicht die Lösung des Problems. Oftmals mangelt es an der Nachhaltigkeit. Ein weiterer wichtiger Punkt liegt in der Software-Archivierung. Hier bieten sich Kooperationsmodelle an, da nicht jede Institution Standardsoftware redundant bewahren muss. Zentrale Dienste könnten den Umgang mit den Lizenzhaltern erleichtern und diesen auch nach Ablauf des Verkaufs und Produktsupports (gewisse) Einnahmen bescheren.  Insgesamt habe jedoch der Tag gezeigt, dass die Zahl der Use Cases und Intressenten am Thema Emulation in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat und wesentliche Schritte für die Zukunft erwarten lässt.

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Category: bwFLA Projekt, Events, R&D

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