Softwarearchive, Rothenberg und System-Imaging

Friday, March 30th, 2012 | Author:

Im Nachlauf der Future Perfect 2012 fand am Archives New Zealand noch ein Gespräch mit J. Rothenberg und der Victoria University zu verschiedenen Aspekten rund um den Einsatz von Emulation statt. Dabei ging es unter anderem um die Archivierung von Software, System-Abbilder und die Möglichkeiten Emulatoren im Sinne der Qualitätssicherung zu testen.Die Softwarearchivierung wird mit dem zunehmenden Einsatz von Emulation zentraler und bisher gibt es noch zu wenig Ansätze, dass sie tatsächlich stattfindet. In den überwiegenden Ländern existiert kein rechtlicher Rahmen des “legal deposit”, so dass die Situation sehr gemischt ausfällt und die wenigsten nationalen Gedächtnisorganisationen in diesem Bereich speziell tätig sind. Ebenso kam die Frage auf, inwieweit Emulation in Zukunft in der Wissenschaftsgeschichte eine Rolle spielen könnte, da Wissenschaft zunehmend unter Zurhilfenahme von IT stattfindet.

Der Ansatz der bwFLA-Workflows beim Ingest die notwendigen Softwarekomponenten zu bestimmen und bei Bedarf mitzuarchivieren, stieß auf entsprechendes Interesse. Darüberhinaus bestand Einigkeit darüber, dass die archivierten Softwarekomponenten frei von irgendwelchen speziellen Schutzmechanismen sein müssen, um den zukünftigen Einsatz nicht zu verhindern. Darüber hinaus sollte ein verteilter Ansatz mit Aufgabenverteilung angestrebt werden, da kaum eine Institution in der Lage sein wird, die komplette Palette heutiger Software abzudecken. Zumindest das Anlegen von Backups aller relevanter Software sollte für die meisten Institutionen rechtlich kein Problem darstellen.

Ein weiteres Thema war das System-Imaging, welches insbesondere für spezielle Scientific Desktops und digitale Kunst als interessante Alternative angesehen wurde. Jedoch bestehen eine Reihe von Herausforderungen, die von der Größe dieser Objekte bis hin zur Automatisierung der Image-Erstellung und Einbringung in den Emulator bestehen. Darüberhinaus können Bedenken insbesondere zur Privatsphäre der vorherigen Nutzer der Systeme nicht trivial ausgeräumt werden. An dieser Stelle könnten forensische Methoden weiterhelfen, um die Image-Dateien um privatsphäre-relevanten Dateien und Strukturen im Block-Device zu bereinigen. Dieses könnte ebenfalls dazu genutzt werden, um die Images insgesamt zu verkleinern und auf Minimalgröße zu bringen. Für die System-Image-Erstellung wurden einige Möglichkeiten und Ideen erörtert, insbesondere auch, wie sich der Vorgang automatisieren und mit der Erhebung notwendiger Metadatan verknüpfen lässt. Hierzu könnte beispielsweise ein architekturabhängiges Minilinux zum Einsatz kommen, welches auf dem Quellsystem gestartet wird und neben dem Kopieren des Festplatteninhalts übers Netz die Erhebung der Maschinendaten übernimmt. Es könnte gleichzeitig weitere Schritte, wie das Ersetzen von Passwörtern und das Löschen überflüssiger Benutzer realiseren. Zudem kam die Frage auf, ob es gelingen kann, da die Emulatoren und ihre Hardwareausstattung bekannt sind, die notwendigen Hardwaretreiber automatisiert zu ersetzen.

Ebenso zentral wurde das Thema Emulatoren-Testing angesehen. Hier kam einerseits die Idee auf, ob nicht speziell erzeugte Applikationen die verschiedenen CPU-Features direkt ausprobieren können und Fehler direkt melden. Andererseits sollten die beispielsweise im bwFLA erstellen und für das Objekt-Rendering benötigten Originalumgebungen oder System-Images eine Grundlage für die Tests bilden. Darüber hinaus ging es um Forschungsfragen, die als nächstes angegangen werden sollten, um Lücken in bestehenden oder angestrebten Workflows zu schließen. Das bwFLA-Projekt wurde als relevante Grundlage betrachtet, um Emulation für den Endanwender, beispielsweise auf Lesesaalsystemen, nutzbar zu machen.

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Category: bwFLA Projekt, R&D

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