Digital Archiving am Ransom Center der University of Texas

Thursday, March 08th, 2012 | Author:

Heute fand ein Treffen mit G. Redwine, Archivarin am Harry Ransom Center der University of Texas statt. Sie ist dort für das “born digital material” zuständig. Das Ransom Center ist ein Archiv mit öffentlich zugänglichen Bereichen, welches beispielsweise eine der 48 vollständig erhaltenen Gutenberg-Bibeln zu seiner Sammlung zählt. Gleichzeitig fungiert es als Forschungseinrichtung, die sich unter anderem mit moderner englischer Literatur befasst. In diesem Zusammenhang erhält es regelmäßig spezielle Objekte, wie Computer oder Laptops bedeutender Autoren oder Sätze von verschiedenartigen Speichermedien, wie Disketten aller Art.

Es besteht das Interesse seitens der Institution und seiner Benutzer dieses Material allgemeiner zugänglich zu machen, aber nach einer Testphase von vier Jahren, musste dieses wegen des zu hohen Arbeitsaufwands vorerst wieder aufgegeben werden. Sie haben deshalb großes Interesse daran, welche Möglichkeiten es gibt statt der alten Hardware komplette Originalsysteme bereitzuhalten und wie sich automatisierte Prozesse für den Zugriff auf digitale Materialien organisieren lassen. Bisher spielte Emulation für die Institution auch aus Mangel an Personal keine Rolle, sie wird aber als große Chance für die Vielfalt verschiedener Systeme und Material gesehen. Deshalb bestand durchaus Interesse an den Ergebnissen des bwFLA Projekts, da dieses ein Teil der am Ransom Center vorhandenen Herausforderungen aufgreift.

Harry Ransom Center an der University of Austin

Eingang des Harry Ransom Center an der University of Austin

Ein weiteres wesentliches Thema für das digitale Archiv besteht in der Bewahrung von Betriebs- und Nutzungswissen. Mit der zunehmenden Anzahl von Systemen wird es unmöglich dieses komplett durch vorhandenes Personal vorhalten zu können. Hierbei geht es darum bestimmtes Prozesswissen schon beim Ingest aufzunehmen und geeignet für den späteren Zugriff mit aufzubewahren. Ebenso spielen Metadaten zur geeigneten Beschreibung der Objekte eine zentrale Rolle.

Neben den wissenschaftlichen und organisatorischen Fragen war es spannend eines der Laptops von Assistenten von Norman Mailer zu sehen oder größere Stapel von verschiedenen Disketten unterschiedlichster anderer Autoren. Vielfach besteht bei diesen das Problem, dass sie noch gar nicht ausgelesen sind, weil zum Teil auch die geeigneten Maschinen fehlen. An dieser Stelle könnte das Kryoflux-Gerät Abhilfe schaffen, was auch den Vorteil hat, dass die Daten gleich im Hostsystem verfügbar sind, denn ein Transfer von den alten Systemen wie Apple Macintosh der frühen 1990er in heutige Umgebungen stellt schon eine technische Herausforderung dar. Zumindest verfügt die Abteilung über eine kleine Sammlung an heute schon fast nicht mehr auffindbaren 8″ Laufwerken.

Insgesamt war die Frage des Datentransports, nicht nur von den ursprünglichen Medien, ein wichtiges Thema für die Bereitstellung. Welche Möglichkeiten stehen zur Verfügung, um die Daten von der Host-Umgebung auf komfortable Weise in die verschiedenen Originalumgebungen und wieder heraus zu bekommen. Dieses ist insbesondere für Archivare interessant, wenn sie Material aus dem Originalkontext heraus analysieren und dann geeignet weiter behandeln wollen.

Am Ende der Konversation ging es noch einmal um die Koordination und mögliche Modelle für Hardware- und Softwarearchive und die langfristige Pflege und Verfügbarkeit von Emulatoren. Viele Gedächtnisorganisationen sehen sich hier mit ähnlichen Problemen konfrontiert, die sich von ihrem Umfang her, nicht alleine innerhalb der Institution lösen lassen.

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Category: bwFLA Projekt, DP Projekte

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